Eine Insel kommt selten allein
Ios und Paros: zwei griechische Kykladen-Inseln, die man am besten nacheinander besucht. Nicht etwa Feta, sondern Xinomizithra ist der beste Käse auf der Reise.
Kann man da eine Woche bleiben? Ist das spannend genug? Eine oft gestellte Frage, wenn eine Insel als Reiseziel vorgestellt wird. Im Falle der griechischen Kykladen hiesse die ehrliche Antwort oft: nein. Deshalb führt diese Reise gleich auf zwei Inseln in der südlichen Ägäis: Ios und Paros.

«Vor fünfzig Jahren gab es hier weder Strom noch Strassen», erzählt Helen Haros. Hier, am höchsten Punkt von Ios, steht die Käserei Diaseli. Helen, die in ihrer Jugend in Chur studierte, führt sie gemeinsam mit ihrem Mann. Mittlerweile modernisiert, ist die ursprüngliche Manufaktur heute ein Museum mit eindrücklichen Relikten aus der Zeit, als die Familie den Ziegenkäse mit bescheidensten Mitteln über offenem Feuer produzierte. Die Schuhe ihres Grossvaters hätten heute Hipster- oder gar Laufsteg-Potenzial: zusammengeschnürte Autoreifenstücke. Stichwort Upcycling. Noch besser als der Käse ist der hauseigene Honig. «Wir machen einen im Winter und einen im Sommer. Der Winterhonig ist eine absolute Rarität.»

Ebensolche hat das Hotel Liostasi, ein Member der Small Luxury Hotels oft the World, zu bieten. Hoch am Hang geniesst man hier den Sonnenuntergang mit Blick über die Insel, die zur Hauptsaison von jungem Partyvolk dominiert wird, sich davor und danach aber von ihrer gemütlichen Seite zeigt, und einem Cocktail von der Poolbar. Auf der anderen Seite des Schwimmbeckens bittet der Service dann zu Tisch.
Wolfsbarsch-Carpaccio mit bestem Olivenöl, Salzkapern und Kapernblättern – Griechenland vom Feinsten. Ebenso begeisternd ist die geräucherte Makrele auf einem Salat von weissen Bohnen und fein gehobelten Radieschen. Mutig abgeschmeckt, frech gewürzt. Kräuter sorgen hier nicht nur für Nuancen, sondern für richtig viel herbale Frische. Yiannis Denaxas, Sohn des Hotelbesitzers und längst selbst im familiengeführten Haus aktiv, wartet schliesslich mit dem Absacker auf: Masticha-Schnaps – und dem Tipp fürs Restaurant am nächsten Abend. Er empfiehlt das Katogi. «Moderne griechische Tapas, super Stimmung, hoffentlich kriegt ihr noch einen Tisch.» Soeben eröffnete Denaxas sein neustes Bijou: Unweit des Hotels bietet er Gästen eine Villa für maximal zehn Gäste. Grosser Pool, Rückzugsorte, Grill, Frühstück und ein Concierge-Service rund um die Uhr.
Tags darauf geht es aber auf die nächste Insel: Paros. Die schnellste Fähre braucht dafür nur knappe eineinhalb Stunden. Unkompliziertes Boarding ohne langwieriges Check-in, viel Platz und Komfort auf dem Schiff, die Fahrt fühlt sich sehr ruhig an.
Gepflasterte Gassen, die Jahr für Jahr frisch gestrichenen weissen Fassaden lassen die Häuser strahlen, pinke Bougainvilleas sorgen für Farbtupfer. Naoussa ist der schicke Ort der Insel, hier flaniert man an Schmuck- und Souvenirläden vorbei, knipst Erinnerungsfotos und beobachtet das Treiben bei einem Glas Wein und fleischigen Oliven. Das beste Abendessen gibt es überraschenderweise nicht in einem der zahlreichen Restaurants im Ort, wo der Drang nach dem besonderen Twist hier und da grösser ist als die Lust, die Aromen der frischen Produkte in Szene zu setzen, sondern im Hotel. Das mit einem Michelin-Schlüssel ausgezeichnete Hotel Cove ist nicht nur eine wunderschöne Oase wenige Gehminuten vom Epizentrum entfernt und überzeugt mit einem eleganten Pool-Bereich und direktem Zugang zum eigenen Strand. Angenehm windgeschützt, geniesst man hier die lokalen Spezialitäten von Spitzenkoch Gikas Xenakis im Restaurant Rada. Xinomizithra, ein säuerlicher, unpasteurisierter Molkenkäse, gepaart mit eingelegten Zwiebeln – das macht Lust auf mehr! Pappardelle mit Zackenbarsch, Tomaten, Fenchel und Sauerteigbrot-Croûtons: Besser können es auch die Italiener nicht. Ein Feuerwerk ist der knackige Salicorn-Salat mit geräuchertem Aal, gerösteter Aubergine und Minze an Vinaigrette. Tipp: Dessert auslassen und am Morgen danach mit leckeren Pancakes an glasierten Erdbeeren nachholen.


Apropos Tipp: Ob Paros oder Ios – vor und nach der Hauptsaison ist es am schönsten. Keine Partytouristen, keine überfüllten Strände und umso dankbareres Service-Personal, das sich über genussoriente Gäste freut.
Text: Benny Epstein
Bilder: ZVG
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