«Es geht ein Ruck durch die Bar-Szene»

1. Mai 2019
Ende April lud Andrea Montorfano, Managing Director Campari Schweiz, ins Schloss Sihlberg. Grund für die Einladung war eine Gala, an der neue Drinks auf der Basis von Grand Marnier gekostet werden konnten.

Andrea Montorfano, im Jahr 1959, also vor genau 60 Jahren, erschien marmite erstmals in der Schweiz. Schon damals inserierte Grand Marnier in unserer Zeitschrift. Dabei richtete sich die Publikation damals nicht an Frauen, sondern ausschliesslich an eine männliche Leserschaft. Aus Marketingsicht nicht gerade ideal, oder?

Andrea Montorfano: (lacht) Da will ich niemandem an den Karren fahren. Aber offenbar hat man damals eingeläutet, was heute Realität ist: Grand Marnier gilt längst nicht mehr als «Frauenschnaps», sondern wird heute als geschlechtsneutrales, geschmacklich einzigartiges und dadurch auch unverwechselbares Qualitätsprodukt wahrgenommen.

Campari hat vor drei Jahren für sehr viel Geld die Markeninhaberin von Grand Marnier – die Société des Produits Marnier-Lapostolle – übernommen. Was hat Ihr Unternehmen dazu bewogen, diesen Schritt zu tun?

Man kann sagen, dass sich Grand Marnier seit der Gründung durch Jean-Baptiste Lapostolle im Jahr 1827 sukzessive weiterentwickelt hat. Heute ist Grand Marnier in unterschiedlichen Varianten erhältlich, wobei der 1880 erstmals auf dem Markt präsentierte Cordon Rouge, ein Blend von 51 Prozent Cognac und Bitterorangen-Likör, das bekannteste Produkt ist.

Daneben bieten wir heute weitere Jubiläums-Cuvées auf der Basis von sehr lange gelagerten Cognacs aus der Champagne an. Auch für unseren Louis Alexandre – er wird produziert mit einem Cognac-Anteil von 82 Prozent – verwenden wir spezielle Weinbrände aus der Petite Champagne und den Borderies.

Das alles hat dazu geführt, dass Grand Marnier heute für ganz unterschiedliche Zielgruppen spannend ist. Und das wiederum macht es auch für uns spannend.

In vielen klassischen Cocktails kommt Grand Marnier zum Einsatz. Was denken Sie, weshalb ist die Spirituose so erfolgreich in diesem Bereich?

Ich glaube, das hat in erster Linie mit der Qualität des Produktes zu tun. Ausserdem gibt es bei den meisten anderen Spirituosen mehrere an sich sehr ähnliche Produkte. Bei Grand Marnier ist das anders. Es gibt kaum Konkurrenz. Der Geschmack ist nach wie vor einzigartig. Und das hat meiner Meinung nach dazu geführt, dass sich das Produkt gerade im Bereich von hochwertigen Cocktails stets hat behaupten können.

Grand Marnier neu interpretiert: Der Sommerdrink «Grand Tonic»

Während längerer Zeit fristeten Cocktails eher ein Mauerblümchen-Dasein. Nun hat sich die Barszene in den letzten Jahren erholt, nicht zuletzt ausgehend von einem frischen Wind aus den nordischen Ländern. Szene-Bars erleben derzeit ein Revival. Was ist der Auslöser?

Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Ich denke, dass sich die Menschen – auch oder gerade im Zeitalter der Social Media – wieder physisch treffen und live austauschen möchten. Man kommt also in einer Bar zusammen und verbringt dort mit Gleichgesinnten die Zeit. Die Barszene selbst hat sich übrigens auch stark verändert: Viele junge Bartender kamen mit ganz neuen Ideen. Das hat dazu geführt, dass die Barszene wieder viel dynamischer geworden ist. Und sie tauscht sich heute über die sozialen Medien grossflächig und unglaublich rasch über neue Trends aus. Das merkt man auch in der Schweiz und weiteren Exportmärkten, allen voran Skandinavien. Man spürt richtig, wie ein Ruck durch die gesamte Szene geht und Neues im Entstehen begriffen ist.