Drogen in der Gastronomie: Ein Koch packt aus

2. Dezember 2019
Verladene Köche, kiffendes Servicepersonal und Gäste, die zum Dank fürs feine Essen eine Linie Kokain spendieren wollen – ein Küchenchef* aus Zürich hat in seiner 30-jährigen Karriere schon so ziemlich alles erlebt. Er weiss: Überall, wo Leistung erbracht werden muss, gibt’s auch Drogen.

«Wer in der Gastronomie alt werden möchte, sollte unbedingt auch ein Leben ausserhalb der Branche haben. Der Stress, die langen Tage und der freie Zugang zu Stimmungsaufhellern haben schon so einige meiner Kollegen zu Fall gebracht. Wer keine Familie oder keinen Partner hat, bleibt nach getaner Arbeit oft und lange sitzen oder zieht noch ein Haus weiter. Wieso auch heimgehen, wenn man noch aufgekratzt ist und eh noch nicht schlafen kann? Ausserdem will man ja auch mal noch ein bisschen Spass haben. Zwar steht in unserem Betriebsreglement, dass Drogen verboten sind, doch der Zugang zu Alkohol beispielsweise ist ja immer gewährleistet. Getrunken wird eh verhältnismässig viel – ob mit oder ohne Gäste. Es gibt sogar Köche, die den Kochwein saufen. Ich erinnere mich an Zeiten, da habe auch ich mit meinem Team während der Arbeit ständig Hochprozentiges getrunken. Anfangs war die Stimmung noch super, bis das Ganze irgendwann aus dem Ruder lief. Nicht jeder hat sich im Griff oder kennt seine Grenzen. Doch grundsätzlich läuft das in unserer Branche so: Ist einer sehr gut in seinem Job und bringt die Leistung, wird der Konsum von Drogen toleriert.  Ich hatte einen im Team, der vor dem Mittagsservice einmal ausnahmsweise nicht gekifft hat. Als Folge davon war er unausstehlich und zu nichts zu gebrauchen. Ich musste ihn in den Hinterhof zum Rauchen schicken, sonst hätten wir den Mittag nicht so glimpflich über die Bühne gebracht. In meiner Küche habe ich nie jemanden beim Koksen erwischt, aber ich musste einen Angestellten entlassen, der wegen seines massiven Drogenproblems untragbar geworden war. Er war aggressiv, wurde immer unberechenbarer und schlief nach einer durchzechten Nacht schliesslich während der Arbeit ein. Von einem Lieferanten weiss ich, dass Kokain in den Küchen teilweise ein grosses Problem darstellt, sogar schon morgens. Wer lange Tage und Nächte hat, morgens aber wieder früh auf der Matte stehen muss, kann schon anfällig für derartige Muntermacher sein. Ich habe auch schon Gäste erlebt, die in die Küche spaziert sind und ganz spendabel das Briefchen mit Koks gezückt haben. ‹Kommt Jungs, ich gebe euch einen Beschleuniger›, hiess es dann. Als Dankeschön fürs gute Essen. Wenn sich dann beispielsweise Lehrlinge aufgrund des Gruppendrucks genötigt fühlen mitzumachen, kann das ganz böse enden. Einmal habe ich einen Angestellten beim Folienrauchen erwischt. Am Ende hat er dann die Branche gewechselt und glücklicherweise grad noch so die Kurve gekriegt.» 

«Nirgends ist die Spassbereitschaft grösser als in der Gastro. Die Nacht verbindet und bietet Raum, exzessiv zu sein.»  

*Name der Redaktion bekannt