Mit Demut an die Spitze
Erlebnis Extrembergsteiger Dani Arnold hält zig Rekord ein der Höhe – und ist doch am Boden geblieben. Eine Begegnung.

Die Berge sind brutal ehrlich», sagt Dani Arnold. «Wer zu schlecht ist, kommt nicht hoch. Es gibt keine Ausreden, man ist immer selbst der Schuldige.» Sätze wie diese spricht er ruhig aus, fast beiläufig. Und doch fassen sie treffend zusammen, was ihn ausmacht: Klarheit, Verantwortungsgefühl und eine tiefe Akzeptanz der Realität.
Arnold, der Schweizer Extrembergsteiger, ist bekannt für seine extremen Solo-Begehungen und seine Speedrekorde, die Liste seiner Expeditionen und Erfolge ist lang und beeindruckend. Wir treffen ihn in Bürglen, seinem Zuhause. Die Atmosphäre ist offen, unprätentiös. Keine Selbstdarstellung, keine Heldenpose. Stattdessen: Neugier. Gespräche über Verantwortung, über Entscheidungen und über Wege, die selten gerade verlaufen.

Wege suchen, Wege finden
Der Urner wächst oberhalb von Altdorf auf einer Alp auf, legt auf dem Weg zur Schule täglich fast tausend Höhenmeter zurück. «Das prägt», sagt er heute. Vom Vater habe er als Bub schon gelernt: Mach, was du willst – aber mach es richtig! Und: Zuerst eine Lehre, dann Experimente.
Arnold erzählt von Managern, die glauben, der Weg sei gerade. «Das ist er nicht», sagt der 41-Jährige. «Manchmal geht man geradeaus – und dann ist Game over.» Es klingt hart, aber eigentlich ist es ein Plädoyer für Offenheit: Wege finden, neu beginnen, Varianten entdecken.
Auch die Karriere des Sportlers verläuft nicht linear. Nach dem Speedrekord an der Eiger-Nordwand 2011 fällt Arnold in ein Loch. Keine Motivation, keine Lust zu klettern. Erst der Austausch mit einem anderen Extrembergsteiger bringt ihn zurück. «Du brauchst ein Ziel», sagt ihm der Freund damals. Und Arnold findet eines. Dann noch eines. Und wieder eines. So entstehen bis heute seine Visionen, seine extremen Routen, seine Rekorde. Eiger, Matterhorn, Grandes Jorasses, Cima Grande, Piz Badile, Petit Dru – Arnold hält an den grossen Nordwänden der Alpen mehrere Geschwindigkeitsrekorde.
Wenn Millimeter entscheiden
Doch wichtiger als solche Zahlen ist ihm die Idee dahinter: Kreativität, Bewegung, Rhythmus. Neue Routen speisen sich aus Gesprächen, Bildern, Magazinen, Begegnungen. Seine Fotografien zeigen Arnold als Künstler mit feinem Gespür für Farben und Strukturen. Er kennt jede Bewegung seiner Routen bis ins Detail – verfügt über ein fast eidetisches Gedächtnis. Optimieren, reduzieren, präzisieren: Dieser Prozess macht Arnold stetig besser, bewusster, klarer.
In seinem Materialraum zeigt sich die gleiche Präzision. Millimeter entscheiden – beim Schliff eines Eispickels ebenso wie beim Schritt im Eis. Arnold gibt zu, abergläubisch zu sein. Wer sich ständig dort bewegt, wo ein Fehler endgültig ist, darf Rituale haben.
Wie lebt ein Mensch, für den Millimeter über Leben und Tod entscheiden? Lesen Sie im aktuellen marmite, warum Essen auf Expedition eine neue Bedeutung erhält – von Kartoffeln in der Glut und dem Duft von Kuhfladenfeuer. Eine Begegnung, die zeigt, was bleibt, wenn alles Überflüssige wegfällt.
Dani Arnold live erleben
Am 25. März ist Dani Arnold am Stammtisch im Zürcher Mews House zu Gast. Ab 11.30 Uhr gibt er spannende Einblicke in seine Expeditionen, seine Motivation und seine Gedanken zum Speedklettern – und bringt dazu seine Lieblingskäse mit. Im Anschluss lädt Küchenchef Pascal Schmutz zum Käse-und-Gschwellti-Lunch in vier Gängen. Kostenpunkt pro Person: 125 Franken (exklusiv Getränke). Reservationen sind per Mail an hospitality@mewshouse.ch möglich.
Text: Pascal Schmutz
Bilder: Nicole Rötheli, ZVG
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