Rosé? Provence!
Die südfranzösischen Weine sind in der heissen Jahreszeit die Stars im Glas. Der fruchtig elegante Alleskönner erfrischt und passt zu so vielen Sommergerichten.

«Rosé wird unterschätzt», hält Florentina Birlo ohne Umschweife fest. «Man denkt immer gleich an den heissen Sommertag am Pool. Klar, da passt er wunderbar hin. Aber Rosé kann viel mehr.» Ende Mai reist die ehemalige Sommelière des Zürcher Zweisternerestaurants The Counter in die Provence und will sich da in die Materie vertiefen. Die Provence – die Rosé-Region schlechthin.
Wie sehr Lebensgefühl der Provence-Rosé heute ist, zeigt sich etwa beim Besuch auf dem Château Saint Roux in Cannet-des-Maures. 2018 im reinsten provenzalischen Stil renoviert, sprechen Zimmer, Farm, Bäckerei, Garten, Küche und natürlich die Weine dieselbe nachhaltige Sprache: runterfahren, Energie tanken, sich mit der Natur verbinden. Die Gastfreundschaft zahlreicher Weingüter bieten die perfekte Möglichkeit, in eine einmalige Rosé-Welt einzutauchen.
Als einzige grössere Weinregion der Welt hat sich die Provence über Jahrhunderte auf Roséweine spezialisiert: 151 Millionen Flaschen Rosé wurden hier im Jahr 2024 gekeltert. Cinsault, Grenache, Mourvèdre, Syrah und Tibouren heissen die Hauptsorten. Die Weinproduzenten der Provence müssen sich an zahlreiche Gesetze halten, um die hohe Grundqualität und eine gewisse gemeinsame Stilistik zu garantieren.
Die wichtigsten Eigenschaften der Hauptrebsorten:
Grenache: Power, Körper, beerige Aromen
Cinsault: frisch, delikat, unterstützt die weiteren Rebsorten
Mourvèdre: robust, delikates Tannin, dunkle Farbe, würzige Noten bei gereiften Weinen
Syrah: rassige Würze, Farbe, Struktur
Tibouren: Eleganz, Finesse
Doch was macht denn grundsätzlich einen guten Rosé aus? «Wie bei jedem anderen Wein zählen Balance, Länge, Intensität und Komplexität», erklärt Martina Wilhelm. Die Gewinnerin der Kategorie Sommellerie beim marmite youngster 2023 weiter: «Was beim Rosé besonders wichtig ist: die Fruchtigkeit, Frische und Eleganz.» Genau wie Birlo nennt sie den Rosé in erster Linie einen Sommerwein. «Rosé ist im Sommer immer angesagt und ist in den letzten Jahren noch mehr im Trend als davor.» Gleichzeitig sei aber auch die vielseitige Einsetzbarkeit in der Gastronomie nicht zu unterschatzen.

Während man in anderen Weingebieten ganz genau Bescheid wissen muss, ob ein spezifischer Rosé wirklich Qualitätswein oder eben doch nur ein Nebenprodukt ist, garantiert ein Provence-Rosé für Qualität, zumal der Fokus ganz auf dem Roséwein liegt. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. pflanzten hier die Phokäer erste Reben, vierhundert Jahre später kamen die Römer in die «Provincia Romana», um den Weinbau zu fördern. Um 1300 waren es die adligen Familien und die Führungsriege des königlichen Heers, die den modernen Rebbau lancierten. Der Provence-Rosé etablierte sich mehr und mehr.

Heute sind es rund 500 detailversessene, eigenständige Winzer und Kooperativen auf einem vielfältigen Terroir: kalkhaltiger Untergrund im Norden und Westen, kristalline Böden vulkanischen Ursprungs im Süden und Osten. Karge Böden, mildes Klima, die dafür passenden Rebsorten und ganz viel Know-how: der Garant für die komplexen und doch so charmanten Provence-Weine in den drei geschützten Appellationen Côtes de Provence, Côteaux d’Aix-en-Provence und Coteaux Varois en Provence. Die für die Provence typisch eleganten Farbnuancen – von zart bis kräftig – entstammen der besonders schonenden Pressung, die letztlich für viel Frische und ein betont fruchtig-florales Bouquet im Glas sorgt. Am liebsten geniesst Florentina Birlo ihren Rosé aus der Provence zur Bouillabaisse. «Gerichte, die aus derselben Region stammen wie der Wein – das funktioniert eigentlich immer.»
Text: Benny Epstein
Bilder: CIVP
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